FAQ zum Hobby

  • Was ist eine Modellrakete?

Eine Modellrakete wird aus Materialien wie Pappe und Balsaholz oder auch Platik für die Spitze zusammengebaut. Typische Treibsätze sind Motoren mit Impulsen zwischen A-D. Eine Modellrakete darf keine Eisenteile oder sonstige harte oder gefährliche Materialien verwenden.

  • Wie ist der typische Flugverlauf einer Modellrakete?

Nach dem Start folgt die kurze Phase des Antriebs durch den Motor (boost). Danach der antriebslose Flug, auch coasting genannt. Am Gipfelpunkt ist die Geschwindigkeit des Modells nahezu bei Null und der Schirm wird durch eine Ausstoßladung des Motor ausgeworfen. Danach gleitet die Rakete sanft am Schirm wieder zur Erde zurück.

  • Was ist eine Highpower Rakete?

Eine Highpower-Rakete verwendet andere Materialien zum Aufbau. Hier werden Glasfaser, Sperrholz, Phenolicrohre, Aluminium, etc. eingesetzt. Man spricht von HPR wenn das Modell eines der nachfolgenden Merkmale aufweist:

  • mind. ein Motor mit mehr als 160Ns Impuls
  • mind. ein Motor mit mehr als 80N Durchschnittschub
  • mehr als 320Ns Gesamtimpuls
  • mehr als 1,5kg Startgewicht.

HP-Raketen dürfen nicht ohne eine Erlaubnis nach §27 SprengG in Deutschland geflogen werden. (siehe weiter unter)

  • Darf ich Modellraketen mit A8 bis D7-Motoren das ganze Jahr starten?

Ja. Es genügt ein freies Feld und die Erlaubnis des Pächters oder Eigentümers. Wer der Eigentümer eines Feldes ist, bekommt man über die Gemeinde oder das Katasteramt heraus. Die Erlaubnis sollte man sich schriftlich holen.

  • Wie alt muss ich sein, um alleine eine Modellrakete starten zu dürfen?

Um Treibsätze kaufen und verwenden zu dürfen, musst Du mindestens 18 Jahre alt sein. Viele Einsteiger sind jedoch deutlich jünger, basteln und fliegen unter Aufsicht eines Erwachsenen.

  • Brauche ich eine Haftpflichtversicherung?

Ja. Es ist immer besser abgesichert zu sein für den Fall X. Für Modellraketen reicht allerdings eine normale Haftpflicht oder Modellfliegerhaftpflicht nicht aus. Über einen Modellraketenverein bekommt man aber in der Regel eine preiswerte Modellraketenhaftpflicht angeboten.

  • Muss ich Mitglied in einem Modellraketenverein sein, um das Hobby betreiben zu können?

Nein. Eine Mitgliedschaft ist nicht notwendig, aber anzuraten. In einem Verein lernt man Gleichgesinnte kennen, die einem mit Tipps und Tricks zur Seite stehen. Da das Hobby sehr komplex ist, kann man auch viele Fehler machen. Man muss sich Fähigkeiten in Physik, Elektronik, Aerodynamik, Mathematik, Pyrotechnik und Werken aneignen, um das Hobby ernsthaft betreiben zu wollen. Ein Verein erleichtert da den Einstieg deutlich. Auch zum Erlangen einer Erlaubnis nach §27 für den Erwerb von Motoren mit mehr als 20g Treibmittel, muss eine Vereinsmitgliedschaft als Bedürfnis nachgewiesen werden.

  • Welches Modell wäre zum Einstieg geeignet und welches Zubehör brauche ich?

Es wird eine Startrampe, ein elektronisches Zündgerät, Treibsätze, Schutzwatte und ein Modell natürlich benötigt. Die Startrampe besteht z.B. aus einem Dreifuss (z.B.altes Fotostativ) mit einem 3mm dicken Leitstab (z.B.aus Schweißdraht, wie er im Baumarkt zu bekommen ist). Als Einsteigermodell für den HPR-Bereich eignet sich sehr gut ein kleineres Modell von Public Missiles oder BSD. Die MidPower Modelle der Serie "Dynastar" von Apogee sind auch zu empfehlen. Wer Clustern oder etwas anspruchsvollere kleinere Modelle bevorzugt, sollte mal bei FlisKits vorbeischauen. 

  • Ich möchte größere Raketen fliegen und Treibsätze bündeln (clustern) und auch mehrere Stufen fliegen (stagen). Darf ich das ohne weiteres?

Nein. Hierzu benötigt man eine Erlaubnis nach §27 SprengG. Diese Erlaubnis wurde früher auch "T2-Schein" genannt. Für die Beantragung dieser Erlaubnis beim zuständigen Amt (z.B. Gewerbeamt, Amt für Sicherheitstechnik, Regierungspräsidium - die Zuständigkeit ist länderspezifisch unterschiedlich geregelt) wird ein Bedürfnis und ein Fachkundenachweis benötigt. Das Bedürfnis stellt in der Regel eine Vereinsmitgliedschaft dar. Die Fachkunde kann man durch einen entsprechenden Lehrgang, der von den Vereinen angeboten wird, nachweisen.

  • Ich möchte größere Treibsätze als D7 fliegen. Darf ich die auch ganz normal kaufen und fliegen?

Nein. Hier gilt das Gleiche wie für Clustern und Stagen. Für Treibsätze mit mehr als 20g Treibmittel wird auch eine Erlaubnis nach §27 SprengG benötigt. (siehe oben). Ausserdem wird für ein Modell dieser Größe in der Regel eine Starterlaubnis vom Luftfahrtsamt und eine Startfreigabe durch die Flugsicherung benötigt. Gleiches gilt übrigens für Cluster- und Staging Modelle. Da dies mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist, lohnt die Beantragung für einen Start nicht. Deshalb werden Modelle dieser Größe in der Regel nur auf Flugtagen geflogen, wo diese Erlaubnisse vom Veranstalter beantragt werden und die entstandenen Kosten durch eine geringe Startgebühr kompensiert werden.

  • Ich habe selbst keine Erlaubnis nach §27 SprengG, kenne aber jemanden der eine hat. Darf ich trotzdem fliegen, wenn derjenige anwesend ist?

Ja! Es reicht, wenn eine Person anwesend ist, die im Besitz einer gültigen Erlaubnis nach §27 SprengG ist. ABER - der oder diejenige trägt dann auch die volle Verantwortung für den Start und steht dann auch für eventuelle Schäden mit seiner Haftplicht (oder auch ohne!) gerade. Es sollten daher alle oben erwähnten Erlaubnisse vorliegen, damit man im Falle des Falles abgesichert ist.

 

  • Ich habe von der Tripoli Rocketry Association - kurz TRA - und von Leveln gehört. Was genau ist das und was bringt mir das in Deutschland?

Die TRA ist ein in den USA ansässige Vereinigung und in den Staaten als FSK (wie hier für Filme) für Raketenmotore zu sehen. Je nach Motorimpulsklasse muss man ein gewisses Level haben, um den Motor fliegen zu dürfen. Die Idee dahinter ist, das man zwar mit einer entsprechenden Erlaubnis jeden Motor fliegen könnte, aber nicht genug Erfahrung hat, um dies auch zu tun. Ähnlich wie beim Führerschein fürs Auto, kann man, nach dessen Erwerb jedes Auto fahren, egal mit wieviel PS. Mit einer Erlaubnis nach §27 SprengG ist das, bezogen auf Raketenmotoren, genauso! Allerdings traut man keinem 18jährigen zu, der einen Führerschein auf Probe hat, einen Ferrari mit serieller Lenkradschaltung und 450PS zu fahren - ohne einen schwerwiegenden Unfall zu produzieren. Die Level Zertifizierung bei der Tripoli baut auf der Erfahrung des Fliegers auf. Kann er nachweisen einen H-Motor unter Aufsicht (aber ohne Hilfe) selbst korrekt zusammen zu bauen und ein Modell damit fehlerfrei zu fliegen, hat er Level 1 bestanden. Das Modell muss nach der Bergung sofort wieder flugfähig sein und darf keinen Schaden aufweisen. Level 2 beinhaltet zu einem praktischen Test noch eine Theorieprüfung. Ein Level 3 - Projekt ist so komplex, dass es durch zwei sogenannte TAP-Member von Tripoli beaufsichtigt werden muss. Die komplette Dokumentation und die Konstruktion des Modells muss zuvor von diesen beiden abgenommen werden. Erst dann wird ein Motor für einen Flug ausgehändigt. Freiverkäuflich (quasi mit Level 0) sind Motoren bis Impulsklasse G. Von H bis I ist Level 1 notwendig. Von J bis L ist Level 2 nowendig und alles darüber, also M bis P ist Level 3. Alle Tripoli-zertifizierten Händler halten sich an diesen Codex und verkaufen nur Motoren an entsprechende Level-Inhaber. Für Flieger in Deutschland bedeutet das: Eine TRA-Mitgliedschaft ist obligatorisch, wenn man Highpower fliegen möchte. Die Erlaubnis nach §27 SprengG kann nur eine Basis dafür sein.

 

  • Ich möchte einen Pro38 Motor kaufen, habe eine Erlaubnis nach §27 SprengG aber bin kein Mitglied der TRA und habe auch kein Level - geht das trotzdem?

Ja, natürlich. Sie können Aerotech und Pro38 Motoren bis zur Impulsklasse G erwerben und fliegen. Darüber hinaus bin ich als Händler an den TRA Kodex gebunden. Ab der Impulsklasse H müssen Sie deswegen für einen Kauf Level 1 nachweisen, ab J mind. Level 2 und ab M Level 3. (Siehe auch weiter oben Frage zur TRA-Mitgliedschaft)

  • Was unterscheidet Aerotech und Cesaroni-Motoren?

Im Gegensatz zu Aerotech ist das Reload z.B. des Cesaroni Pro38 Motors "komplett". Das bedeutet, man muss keine Dichtungen anbringen, Grains einstecken oder SP für die Ausstoßladung einfüllen. Bei Aerotech muss man auch darauf achten, den Motor mit der entsprechenden Zeitverzögerung zu bestellen. Cesaroni geht da einen anderen Weg. Jedes Reload wird mit einer maximalen Verzögerung geliefert. Jeder Flieger stellt sich mit dem Delay Adjustment Tool die Verzögerung selbst ein, die er für sein Modell benötigt. Ist das getan, wird das Delay einfach wieder auf den Liner gesteckt und das Reload in das Casing geschraubt. Fertig! Auch das Reinigen des Casings entfällt bei Cesaroni. Das ausgebrannte Reload wird einfach aus dem Casing geschraubt und entsorgt. Ein Ende der schwarzen Finger!

Eigentlich nur Vorteile für Cesaroni, was spricht denn für Aerotech? Aerotech hat eine viel breitere Motorenauswahl und unterschiedliche Treibstoff-Varianten. Zudem haben viele Flieger bereits Aerotech Casings zu Hause und wollen einfach kein Geld für neue Hardware ausgeben.

Der Fragenkatalog wird fortgesetzt und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.